Wird Audio in der Medienwelt überleben oder wird es das nächste VR?

Gerade in den letzten Jahren sind mehr Plattformen oder Lösungen aufgetaucht als in den letzen 40 Jahren. Natürlich trägt das Internet dazu bei.

Vor 40 Jahren konnte man nicht einfach einen Server online „mieten“ und loslegen mit seiner Idee. Aber auf das will ich hier nicht eingehen. Ich will auf ein Phänomen eingehen, welches mir in den letzten Monaten aufgefallen ist.

Es war April 2020, als ich von einer Kollegin in Florida eine Einladung für eine App Namens „Clubhouse“ erhalten habe. Sie kommentierte den Link mit: That app is insane! Every VC in San Francisco is on there!

Diese Nachricht macht nicht gross Sinn, wenn man nicht in der Tech oder Innovation Welt tätig ist. Ein VC steht für Venture Capital oder in diesem Fall Venture Capitalist. Das sind die Leute, welche auf Grund von einem Slide Deck entscheiden können, wie erfolgreich eine Firma sein werden. Oft schreiben sie dann fette Checks und klopfen sich auf die Schulter für einen „Job well done!“

Ich schaute mir die App an, damals hatte Clubhouse noch keine Webseite und dachte mir, in wiefern diese App so revolutionär sei? Einfach erklärt kannst Du in Clubhouse einen Raum eröffnen und Dich dann mit 5000 anderen Leuten über Audio Clips austauschen. Da es am Anfang noch so exklusiv war, fand man recht schnell die VC‘s und Who is Who‘s in einem grossen Raum.

Ich sollte hier auch noch erwähnen, dass Andreessen Horowitz, die wohl einflussreichste VC Firma in Silicon Valley, ein grosser Fan der App ist. Marc Andreessen, einer der beiden Gründer, ist der wohl aktivste Fanboy von Clubhouse und tut alles, was er kann um noch mehr Leute und Kapital in die Firma zu bringen. Da er selber Investor ist, würde er auch vom Erfolg Clubhouse‘s profitieren.

Aber ich will hier nicht über Themen wie VC‘s sprechen, sondern das erneute Phänomen hinter Audio Plattformen anschauen. In den letzten 10 Jahren fand man immer wieder Apps, welche auf der Oberfläche auftauchen. Egal ob diese an einen Podcast, eine andere Social Media App oder Webseite angeschlossen sind. Das Problem mit einer „Audio Only“ Welt war aber immer, dass nach einer gewissen Zeit die Benutzer fehlten.

Daher mein Vergleich im Titel mit VR (Virtual Reality), welche auch einen Hype in den 2015–2017 Jahren erlebte, aber nie richtig Mainstream auf den Markt kam. Verdammt nochmal, sogar Facebook hat Milliarden in den Markt investiert mit Oculus. Jedoch kaufen nur Nerds oder gelangweilte Teenager das VR-Headset. Der normale Verbraucher interessiert sich nicht wirklich dafür.

Ein ähnliches Problem sehe ich mit Clubhouse. Nicht nur, weil es nur über Audio funktioniert, sondern weil sie gerade momentan dieselben Fehler machen wie andere Plattformen zuvor.

Ich weiss nicht, wer auf die Idee kam bei solchen Apps eine Exklusivität herzustellen mit „Invite Only Codes“. Um momentan auf die Plattform eingeladen zu werden, muss man einen Einladungscode von jemandem erhalten. Darin sehe ich ein zentrales Problem: Warum gibt man einer Person nur 2 Codes?! Wenn man doch schon Fans hat und diese andere auf die Plattform bringen, dann lasst diese doch so viele Leute einladen, wie sie wollen.

Techniker stellen sich mit solchen Massnahmen gleich die Frage, ob die Plattform nicht stabil genug ist? Das Argument könnte man auch bei der Anzahl Leute pro Raum verwenden. Ich denke aber, dass hier Clubhouse Schritt für Schritt vorwärts machen will. Technisch sei die Plattform solide genug. Das ist nicht eine Aussage von mir, sondern von diversen Programmierern, welche die App ausgewertet haben.

Das nächste Problem ist der Datenschutz. Nach Öffnen, wird man gefragt, ob man den Zugang zu den Kontakten mit der App teilen will. Die meisten Leute überlegen sich hier nicht viel und tun das einfach. Jedoch ist dies ein rotes Tuch für Datenschutzliebhaber. Sobald ich Daten mit einer App teile, gehe ich die Gefahr ein, dass diese verkauft werden. Facebook lässt grüssen… Schaut man bei Clubhouse auch auf die Datenschutzrichtlinien, fällt einem schnell auf, dass es fast keine gibt. An dieser arbeite man noch. Nicht sehr vertrauenswürdig, aber das wäre unter Umständen dem Normalverbraucher egal.

Der Grund, warum ich denke Clubhouse User verlieren wird, ist die Möglichkeit ein Erlebnis zu teilen. Oder anders gesagt, der Mangel dieser Möglichkeit! Momentan kann ein Nutzer eine Konversation oder ein Snippet einer Diskussion nicht aufnehmen. Er kann diese auch nicht teilen. Er müsste kreativ werden, um das zu tun. Was am Ende oft dazu führt, dass die meisten Benutzer sich ausloggen und die App nicht mehr brauchen.

Wenn diese Szenarien so eintreffen, denke ich wird der Hype um Clubhouse in den kommenden Monaten weniger und wir werden erneut von einer verlassenen App lesen.

Vielleicht wird es eine Gruppe an Benutzern geben, welche die App für ihre Bedürfnisse verwenden werden. Für alle Menschen im Social Media Markt, wird es jedoch nie eine der Hauptplattformen werden.

Clubhouse kann aber mit Vorfreude in die Zukunft blicken. Meistens kam Facebook oder ein anderer Big Tech Player und kaufte solche Plattformen auf. Das würde sicherlich auch Marc Andreessen gefallen, dann hätte sich das Investment ausbezahlt…

Joël Kai Lenz

Joël Kai Lenz

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