Sind Podcasts die Radiostationen der Gegenwart oder erwartet uns etwas Neues?

Bevor ich mich in dieser Frage verlieren, will ich etwas klarstellen. Ich erlebte gerade noch die letzten Tage des Radiozeitalters als Kind. Ich kann mich noch an die Fahrten im Auto mit meinen Eltern erinnern, wo wir nichts anderes als Radio hörten.

Die goldenen Zeiten der 60, 70 oder 80 Jahre habe ich dank Recherchen online hervor gesucht. Wenn ich also von diesen Zeiten spreche, dann basiere ich den Inhalt auf genannter Recherche. So, mit dieser Klarstellung will ich in das Thema einsteigen.

Podcasts und Radio sind im Grundwesen ziemlich ähnlich. Je nach dem wie eine Show aufgebaut ist, kann man diese in eine Talkshow, Interviewserie oder eine Art der Frage und Antwort-Runde kategorisieren. Dank diesen Kategorien, lässt sich der Vergleich relativ einfach herstellen.

Die meisten Radiosender haben es sogar geschafft in einen Podcast umgewandelt zu werden oder, vor allem in Amerika, sehen wir immer wieder dass ein Podcast aufgenommen wird und ein Teil der Episode live im Radio gestreamt wird. Es besteht sogar die Möglichkeit beide Welten zu verbinden. Das wäre auch gleich mein erster Punkt. Ich denke nicht, dass man zwischen den beiden Welten wählen muss.

Jedoch ist es offensichtlich, dass es mehr Podcasts als Radiostationen gibt. Der Grund dafür ist einfach. Dank Plattformen wie Buzzsprout oder Anchor kann man im privaten Rahmen einen eigenen Podcast starten. Es gibt zwar auch Dienste, welche dasselbe anbieten für Radiostationen, die Art wie man jedoch einen Radiosender aufbaut ist deutlich komplexer. So gesehen ist dies ein Vorteil für die Podcasting Welt, da man dank einem RSS Feed die Show online auf allen Podcast Plattformen hochladen kann.

Das bringt mich auch gleich zum zweiten Punkt, warum Podcasts die Radiostationen überholt haben. Der Zugang und das Auffinden der Shows. Das grösste Register für Podcasts ist das von Apple. In den letzten 10 Jahren wurden sogar eigene Apps oder Plattformen aufgebaut, welche den Index von Apple verwende. Overcast und Breaker wären da zwei Beispiele. Das Auffinden einer Show ist einfach, man weiss, dass man alles an einem Ort findet und kann bequem die App „Apple Podcasts“ herunterladen um seine Shows anzuhören.

Das ist beim Radio zwar auch durch Drittanbieter möglich, jedoch kommt da ein zentrales Problem auf: Ein Radiosender kann je nach Land eine andere Frequenz haben oder gar nicht verfügbar sein. Ich kenne viele Radiosender aus Amerika, welche ich gerne in einem Replay hören würde, leider sind diese nicht in Europa verfügbar. Zum Glück haben das einige der Sender realisiert und streamen die Shows nun auf YouTube oder laden sie später als Podcast hoch. Es gibt Plattformen, zum Beispiel TuneIn, welche probieren das Problem für Radiosender zu lösen, jedoch ist es nicht so einfach wie bei den Podcasting Anbieter.

Ein weiterer Grund, warum Podcasts Radiosender in so einem schnellen Tempo überholen, sind die Communities hinter den Shows. Man hört immer wieder von „Privaten Podcasts“, welche in einem engen Rahmen ihren Mitgliedern die Möglichkeit geben sich auszutauschen. Meistens sind das Podcasts auf Plattformen wie Patreon oder die Inhaber des Podcasts eröffnen einen Discord Server, wo man sich austauscht.

Beim Radio gibt es oft auch eine Community, jedoch werden diese weniger in die Show und deren Aufbau eingebaut. Das absolute Maximum als Fan einer Radio Show ist, wenn man via Telefon live zu geschalten wird. Weiter als das gehen nur sehr wenige Radiosender. Wenn Du eine eigene Radio Show hast und das hier gerade liest, würde ich empfehlen eine Community nebst der Show aufzubauen! Es gibt Dir einen besseren Einblick in die Bedürfnisse Deiner Zuhörer.

Ein Vorteil welchen ich jedoch für die Radiosender sehe, ist der der Livezuschaltung. Es gibt zwar Möglichkeiten für Podcasts eine Episode live zu streamen, meistens muss man sich da aber auf YouTube oder andere Plattformen verlassen. Direkt bei Apple Podcasts oder Spotify kann ich einen Podcast nur nach einer Aufnahme zum Replay hochladen.

Das ist beim Radio anders. Da habe ich durch die Art wie man mit Frequenzen die Sender „streamt“, die Möglichkeit jeder Zeit live mitzuhören. Das bedeutet, dass statistisch gesehen Radioshows auch immer länger andauern als Podcasts. Das ist jedoch nichts schlechtes. Da ich während der Sendung auch verschiedene Formate einzuspielen.

Auch wenn ich als Zuhörer weiss, dass ich einfach anrufen muss, ist es dennoch spannender den Anruf live mitzuverfolgen. (Gib es zu, man ist immer gespannt wer anruft oder was die Person in dem Moment für eine idiotische Frage stellt...)Bei einem Podcast kann ich auch einen Anruf entgegen nehmen, aber da es aufgenommen ist, verliert es den „in the moment“ Touch.

Der grösste Unterschied ist immer noch die Grösse! Egal was jede Frau sagt, die Grösse ist entscheidend. (ACHTUNG! Das war ein Scherz, bitte nicht als mehr interpretieren) Um den Vergleich der Grösse darzustellen, habe ich mich auf die USA konzentriert. Einerseits ist da eine grosse Testmenge vorhanden. Andererseits gibt es auch mehr Daten und Vergleiche als hier in Europa.

Nichtsdestotrotz ist klar zu sehen, dass Radiosender immer noch mehr verbreitet sind, als Podcasts. Im Total hat man laut dieser Statistik, 244.5 Millionen Zuhörer welche angeben, dass sie Radiosender hören. Erstaunlich ist dabei, wie divers die Zielgruppen sind. Es sind nicht nur ältere Menschen, welche sich das Radiohören gewohnt sind, sondern auch viele jüngere. Warum es so viele Zuhörer gibt, erkläre ich in Kürze.

Den Vergleich habe ich auch für Podcasts gemacht. Laut dieser Statistik sind es zwischen 100 und 110 Millionen Zuhörer pro Monat. Was ca. 45% der Radiozuhörer sind. Auch da ist enorme Diversität in den verschiedenen Zielgruppen vorhanden.

Auf den ersten Blick könnte ich hier nun das Fazit ziehen, dass Radiosender noch lange überleben werden. Wenn man aber genauer hinschaut, sieht man, dass die Podcast Industrie alleine in den letzten 10 Jahren um das zehnfache gewachsen ist! Hier will ich auch einen geschichtlichen Hintergrund ins Spiel bringen.

Die ersten Mainstream Radiosender kamen ca. 1920 auf. Während dem zweiten Weltkrieg war ein Radio in den meisten Häusern der Bevölkerung. Bombenangriffe, Alarme und Ankündigungen, wurden allen über das Radio verkündet. Dieses Phänomen begleitete uns weit bis in die 1980 Jahre, als der TV den Radio anfing abzulösen. Sprich, Radio hatte in etwa 80 Jahre Zeit sich zu etablieren. Ich zig bewusst 20 Jahre ab, weil es etwas dauerte, bis Radiosender entstanden. Die meisten Generationen waren es sich ab den 1960 Jahren aber gewöhnt irgendwo Radio zu hören.

Podcasts haben da eine ganz andere Geschichte. Die Idee von Podcasts entstand sicherlich auch aus den goldenen Zeiten des Radios, jedoch ist der Begriff relativ neu. Er wurde zum ersten mal 2004 mit der Veröffentlichung der Podcasting App auf den iPod‘s bekannt gegeben. Das Wort setzt sich aus dem Wort iPod und Broadcast zusammen.

Eine grosse Rolle spielte dabei sicherlich die Technologie. Ältere Generationen, welche erst in den letzten 10 Jahren auf Smartphones umgestiegen sind, werden den Zugang nicht so schnell gefunden haben, wie jüngere Generationen. Diese wuchsen oft mit dem iPod oder einem Smartphone auf.

Somit kann man sagen, dass es absurd wäre zu behaupten, Podcasts haben Radiosender schon längst überholt. Auf Grund der Zahlen ist eindeutig, dass das Radio immer noch einen Vorsprung geniesst. Dieser schmilzt jedoch täglich dahin. Man beachte das Wachstum der beiden Welten. Die Podcasts wachsen mit einem Faktor von 10X in 10 Jahren, während die Radiosender bei etwa 1.3 sind.

Ich denke aber nicht, dass Radiosender in den nächsten 10 Jahren komplett verschwinden werden. Viel mehr sehe ich eine Fusion der beiden Welten. Oben habe ich bereits einfache Beispiele erwähnt. Wer weiss, vielleicht motiviert dieser Artikel eine neue Business Idee oder wir werden in den nächsten Jahren vermehrt Radiosender mit einem privaten Podcast sehen.

Ich würde definitiv ein Zuhörer solch eines Formats sein. Die Zukunft bleibt wie immer spannend!

Joël Kai Lenz

Joël Kai Lenz

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