Das ethische Dilemma mit Facebook und warum ich nicht mehr aktiv bin auf der Plattform

Es war das Jahr 2008. Die ersten Sommer Tage liegen hinter uns. Ich war damals 12 Jahre alt und entdeckte die Ursprünge der heutigen Social Media Welt.

Entweder war ich auf Foren unterwegs oder ich brachte mir dank einer sehr frühen Version von YouTube das Programmieren von Webseiten bei. Das Internet war noch nicht gefüllt mit Hass oder Missinformation von allen Seiten des Spektrums. Es war immer noch in seinen Jugendtagen.

Immer wie mehr fielen mir aber News rund um einen Seite aus Amerika auf. Facebook war der Name und Mark Zuckerberg sei das Genie, welches die Seite aufgebaut hat. Da ich sowieso schon auf all den bekannten Foren war, wollte ich auch unbedingt auf Facebook sein. Schliesslich sprach jede Chat Gruppe darüber. Also entschied ich, mich anzumelden und gab die URL im Browser ein.

Als die Seite lud und ich mich anmeldete, war ich sofort fasziniert. Man konnte sich auf der anderen Seite der Welt miteinander verbinden und somit sehen, was gerade passiert. Die Farben und das Layout der Seite war für den damaligen Standart auch angenehm. Man fühlte sich, als ob man in der Zukunft angekommen sei.

Schnell verbreitete sich das Phänomen und in meiner Schule waren alle Freunde bereits in Herbstferien auch auf Facebook. Für die nächsten 2 Jahre war ich aktiv auf der Plattform.

Das hiess damals noch, dass ich über die neusten Webseiten berichtete oder YouTube Videos postete, welche ich Abends entdeckte. Facebook war damals ein Ort wo man sich austauschte und sich keine Sorgen machte, was mit seinen Daten im Hintergrund abgeht.

2012 war das Jahr, in welchem ich mich auf Facebook anfing zu verlieren. Ich verbrachte viel zu viel Zeit auf der Plattform und probierte den neuen News Feed zurück zu verfolgen. Ich wollte verstehen, wie Facebook so gross werden konnte. Werbung gehörte bereits seit ein paar Monaten zum Alltag auf der Plattform. Mir war bewusst, wie das Unternehmen Geld verdiente, ich wollte aber ihre Features zu meinem Vorteil machen, schliesslich war ich 16 Jahre alt und wollte mir ein iPad kaufen!

Nach etwa 6 Monaten hatte ich den Dreh raus, verstand die Plattform und wusste wie ich nebst der Schule etwas Geld verdienen konnte, um mir Dinge zu leisten. Diese Entdeckung hatte auch berufliche Folgen, weil ich von da an wusste, dass ich mit Digitalen Medien in Zukunft arbeiten will.

Mit diesem Wissen setzte ich mich für die nächsten 4 Jahre hin und arbeitete am Verfeinern meiner Fähigkeiten. Dann kam das Jahr 2016. Vor allem der November im Jahr 2016. Der Monat, in welchem die Welt durch den Sieg von Donald Trump geschockt war.

Wie hat er das gemacht? Wurde betrogen? Sind wir schuld? Das waren die Fragen, welche damals gestellt wurden. Ich sass am Morgen nach der US Wahl in einer Vorlesung zum Thema Werbung und dachte mir die ganze Zeit, wieso der Professor nicht über die Wahl spricht?! Es war ziemlich schnell klar, dass Trump dank einer Online Strategie gewann. Im kommenden Jahr wurde eindeutig warum das Trump Team die Wahl umkehren konnte.

Einer der zentralen Elemente in deren Strategie war der Algorithmus und das Geschäftsmodell von Facebook. Das war der Moment wo ich nach 8 Jahren mich zum ersten Mal fragte, ob Facebook bewusst so handelt, wie man es in den vergangenen Monaten sah.

Dann kam der Cambridge Analytica Skandal! Dieser Skandal öffnete mir die Augen! Bereits 4 Jahre zuvor hatten wir die Snowden Leaks. Seit dem war ich vorsichtiger mit dem Umgang meiner Daten, ich ahnte damals aber noch nicht, was kommen wird. Als ich die Anhörungen von Mark Zuckerberg im TV sah, fragte ich mich oft, warum er lügt?

Es war offensichtlich, dass er nie die richtige Aussage machte und sich mehr aus den Fragen sprach als etwas anderes. Und das war der Moment wo ich realisierte: Verdammt, ich fiel auch in diese Falle von Facebook rein.

Für die nächsten Monate war ich unsichtbar. Sprich, nicht mehr aktiv auf Facebook. Ich fragte mich oft, ob ich nicht mehr zum Problem beigetragen habe, als dass ich es hätte lösen können. Schliesslich lud ich jeden auf die Plattform ein, schrieb nur im Facebook Messenger und begleitete nebst dem Studium ein paar Projekte auf Social Media.

In den nächsten 12 Monaten dachte ich mindestens 5 Tage darüber nach, ob ich einen Post veröffentlichen sollte oder doch lieber nicht? Ich wollte keinen Schaden mehr anrichten und war in dem Dilemma der Social Media Blase gefangen. Ich weiss, dass Social Media seine Benutzer abhängig macht, musste aber inzwischen schon beruflich darauf aktiv sein.

Dezember 2018 war jedoch der Moment, wo ich mich entschied eine Linie zu ziehen! Ich wollte und konnte so nicht weiter machen! Genug ist genug!

Ich konnte nicht täglich meine Freunde und Bekannten aufklären über die Gefahren des Datenklaus oder der Spionage durch die Nachrichtendienste. Später würde ich aber potentielle Kunden auf Facebook mit Ads aggressiv bespielen. Bei diesem Spiel, wollte ich nicht mehr mitmachen.

Also entschied ich mich Wege zu finden, wie ich weniger Zeit auf den Social Media Plattformen verbringen kann. Eine grosse Hilfe ist die App Freedom, welche Webseiten blockt und einfache Social Media Schedule Tools wie MeetEdgar. So muss ich nur noch auf die Plattform, wenn ich einmal täglich für 15 Minuten die Nachrichten und Kommentare checken muss.

Nach mehr als einem Jahr in diesem Modus fiel mir auf, dass es mir viel besser ging. Ich war nicht mehr gestresst, fühlte mich viel besser wenn ich morgens aufstand und war aktiver zwischen den Ohren.

Ich ging sogar so weit, dass ich mich auf das absolute Minimum an Social Media Plattformen fokussierte. Das bedeutete für mich, dass ich gerade nur noch auf LinkedIn und Facebook einen Account habe. Die Profile bediene ich aber nicht mehr. Sie werden nur noch für die Verbindungen von Tools oder den Accounts von Kunden verwendet.

Auch wenn die letzten Zeilen dieses Artikels sich eher negativ anhören, sehe ich in meinem Prozess auf Facebook positive Punkte. Ich konnte mich in den letzten Jahren von vielen unnötigen Diskussionen lösen. Etwas was mir persönlich schwer fällt, da ich oft und gerne mit Leuten spreche.

Ich habe mehr Zeit für andere Beschäftigungen und entdecken täglich neue Interessen. Da ich nicht mehr auf Social Media bin, entdecke ich auch immer wieder Blogs und Foren, auf welchen ich Leute treffe, welche dasselbe durchlebt haben.

So wie ich vor 13 Jahren auf Facebook aufmerksam wurde, scheint es ist die Zeit gekommen, dass neue Orte, die alten Plattformen im Internet ablösen. Um eines meiner liebsten Musicals, Lion King, zu zitieren: Das ist der Kreislauf des Lebens!

Ich hoffe ich konnte Dir hier mit meiner Geschichte aufzeigen, dass es sich lohnt solche Gedanken einmal über sich ergehen zu lassen. Zu verstehen, dass wir als Benutzer mehr Produkte sind für Firmen wie Facebook. Auch wenn es nicht einfach ist sich zu lösen, haben wir die Möglichkeit eine gesunde Distanz zwischen der realen und digitalen Welt zu erstellen.

Danke fürs Lesen!

Joël Kai Lenz

Joël Kai Lenz

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