Braucht es erneut neue Plattformen oder sind wir besser unterwegs ohne Social Media?

Zeiten ändern sich. Das ist eine Konstante, welche man auf jede Epoche der Menschheit anwenden kann. Jedoch provoziert die Gesellschaft oft eine neue Konstante her, welche es nicht braucht.

Seit mehr als 10 Jahren ist diese Konstante Social Media. Unternehmen, Teenagern und Eltern wird immer wieder gesagt, dass sei der Ort online, wo man sich aufhalten sollte. Gerade für Unternehmen, kann Social Media ideal sein, wenn man eine Kundenbindung aufbauen will.

Das will ich nicht abstreiten. Persönlich bin ich seit mehr als der Hälfte meines Lebens auf Social Media. Mein Beruf baut auf dem neuen Medienverhalten der Gesellschaft auf. Social Media kann eine gute Alternative als Sprachrohr sein. Nur das sollte es aber auch sein!

Social Media sollte das echte Leben nicht ersetzen! Leider sieht man es aber immer wie mehr, wie Leute sich zu Influencer versklaven und die Likes oder Kommentare jagen. Anstatt im echten Leben mit offenen Augen durch die Welt zu gehen.

Gerade momentan sieht man die dunkle Seite von Social Media. Zensur, Sperrungen und das Abschaffen von bestimmten Gruppen, gehört zum Alltag. Ich spreche hier nicht von Trump Anhängern oder anderen politischen Organisationen, sondern man sieht immer wie mehr wie die Cancel Culture auch regionale Institutionen attackiert.

In der Stadt, in welcher ich lebe, wurde letzten Sommer sogar ein Kaffee umgenannt, weil es an Kolonialzeiten erinnere. Die Inhaber des Geschäfts waren aber weder rassistisch, noch haben sie in irgendwelcher Form eine Bemerkung zu dieser Zeit abgegeben. Sie haben das fürchterliche Verbrechen begangen, dass sie den Namen „Colonial“ angenommen haben. Ein Name welcher nicht mit der Zeit, sondern mit dem Namen des Hauses, in welchem sich die Kaffeebar befindet, zu tun hat. Leider gaben die Inhaber der Bar der Cancel Culture nach und änderten den Namen.

Dieses Beispiel kann ich heute aufzeigen, weil sich der Mob auf Instagram organisiert hat und gegen die kleine Bar einen Angriff startete. Es war gerade zur Zeit der BLM Bewegung im Frühling 2020. Unter dem Post der Bar, lass man rassistische Kommentare gegenüber den Inhabern. Erstaunlicher Weise, wurden die Benutzer aber nicht zensiert. Würde man dies im heutigen Klima tun, wäre man innert Minuten von der Plattform verbannt.

Mir geht es in diesem Artikel aber nicht um die Cancel Culture und deren Folgen, sondern um die zentrale Frage, in wie fern Social Media in unserem Alltag noch nötig ist. Wir sehen es in den USA. Plötzlich werden die Plattformen aufgeräumt. Etwas wo von ich übrigens schon vor Jahren warnte! Es war absehbar, dass dies in diesem Ausmass passieren wird. Das hat auch nichts mit Donald Trump oder seiner Anhängerschaft zu tun. Die Macht von Silicon Valley wuchs in den vergangenen 4 Jahren enorm! Dass sie diese Macht einmal ausnutzen möchten, war zu erwarten.

Nun werden Stimmen laut welche verlangen, dass man Plattformen wie Facebook, Twitter, YouTube verlässt, weil sie die Freie Meinungsäusserung nicht würdigen. Als ob das News wären! Das wusste man von allen Plattformen schon länger. Vor allem auf Facebook ist seit Jahren ein politischer Bias zu sehen. Egal in welchem Land man lebt.

Jedoch stelle ich mir hier die entscheidende Frage: Wäre das Problem gelöst, wenn man auf einer „zensurfreien“ Plattform wechselt? Ist die Plattform im Grundwesen nicht dasselbe wie die aktuellen? Am Ende des Tages ist eine Plattform wie Facebook genau dasselbe wie Gab, ein Favorit von vielen Free Speech Enthusiasten.

Schliesslich ist auch Gab auf zentralen Servern. Auch wenn es ihre eigenen sind. Ich als Benutzer habe am Ende des Tages keine Chance über den Einfluss der Firma. Ich weiss auch nie zu 100% ob ich nun eingeschränkt werde oder nicht! Das ist das fundamentale Problem mit zentral geführten Plattformen. Wäre die Plattform dezentral geführt, hätte ich immerhin die Chance zu überprüfen, was genau passiert.

So, würde ich einfach die Oberfläche wechseln und mich wieder auf einer Social Media Plattform vorfinden. Und an alle, welche nun sagen, dass Gab anders ist und nie zensieren wird. Das ist Schwachsinn! Zensur wird es immer geben. Egal auf welcher Plattform man sich befindet.

Das gefährliche an Plattformen wie Gab ist, dass man plötzlich Personen hochjubelt, welche eine grosse Gefahr darstellen. Auf Gab findet man bereits Gruppen, welche Jair Bolsonaro, den diktatorischen Präsidenten Brasiliens, hochjubeln. In wie fern das nun besser sein soll, als die Gruppen auf Facebook, weis ich nicht.

Ich bringe hier auch noch einen weiteren Aspekt ins Spiel. Wir wissen auf Grund von Tausenden an Studien, wie süchtig Social Media seine Nutzer machen kann. Man nehme nur Instagram als Beispiel. Teenager verfallen heute Depressionen, weil sie einen Beauty Standart probieren auf Recht zu halten, welcher in sich selber bereits verfälscht ist. Nun will man neue Plattformen formen, welche zwar einstehen für eine Freie Meinungsäusserung, das Problem der „Social Media Sucht“ aber nicht einmal ansprechen. Wo seid ihr da anders als die Social Media Giganten?

Du siehst, auch wenn man den Ort der Social Media Plattformen wechselt, stösst man immer wieder auf dieselben Probleme. Falls wir nun einen totalen Einbruch der Giganten erleben und man sich Gedanken machen soll, wohin man soll, würde ich lange darüber nachdenken. In der momentanen Lage scheint es fast, als ob wir wieder zu alten Mitteln greifen.

In meinem Fall ist dies vorübergehend dieser Blog. Ich werde hier immer wieder solche Gedanken veröffentlichen. Komm also zurück oder noch besser, teile ihn mit Freunden.

Danke für Deine Aufmerksamkeit!

Joël Kai Lenz

Joël Kai Lenz

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